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Die Bahn versteht nur Bahnhof
Geplante ICE-Schnellbahntrasse: Südhessische Kreise für Vollanschluss von Darmstadt - Darmstadt-Dieburgs Verwaltungschef Klaus Peter Schellhaas könnte auch mit Fernbahnhof Tann gut leben
13.2.2010 - Kreis Bergstraße (ofi). Keine Woche ohne neue Meinungsäußerungen zur geplanten ICE-Schnellbahntrasse Rhein-Main/Rhein-Necker zwischen Frankfurt und Mannheim: Jetzt haben sich die Landräte der drei südhessischen Kreise Bergstraße, Odenwald und Darmstadt-Dieburg einmütig dafür ausgesprochen, dass die Trasse in jedem Fall den Hauptbahnhof Darmstadt einbeziehen soll.
Während der Bergsträßer Verwaltungschef Matthias Wilkes (CDU) und sein Odenwälder Kollege Dietrich Kübler (Freie Wähler) bei einem gemeinsamen Pressegespräch in Darmstadt sich kompromisslos geben, hält sich Darmstadt-Dieburgs Landrat Klaus Peter Schellhaas (SPD) ein Hintertürchen offen. Wenn es mit der Direktanbindung nicht klappt, könnte er auch mit dem von der Deutschen Bahn (DB) AG favorisierten Fernbahnhof bei der Siedlung Darmstadt-Tann leben, ließ der Verwaltungschef in einer Pressenotiz wissen.
Ein möglicher Außenbahnhof in 20 Minuten Entfernung zum Hauptbahnhof bringt nach Wilkes’ Überzeugung nur Nachteile. Mit diesem „Mondbahnhof" würde die gesamte Region vom Fernverkehr „abgehängt“. Scharfe Kritik üben Kübler und Wilkes an Darmstadts Oberbürgermeister Walter Hoffmann (SPD) der die im Februar 2007 medienwirksam präsentierte Konsenstrasse (mit einer Vollanbindung des Hauptbahnhofs Darmstadt) fallen gelassen hat. Mit dieser Haltung findet sich der 2011 zur Wiederwahl stehende OB im Widerspruch zur Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung.
Erheblicher Protest regt sich auch an der Bergstraße namentlich in Lorsch, Einhausen und Bensheim-Langwaden sowie in Lampertheim. Bürgerinitiativen haben schon mehr als 20.000 Unterschriften gesammelt, um eine naturverträgliche und vor allem von den Anwohnern zu akzeptierende Trassenführung durchzusetzen.
Die DB AG plant die Trasse ab Darmstadt östlich der A 67 und ausschließlich oberirdisch mitten durch ausgewiesene Naturschutzgebiete von europäischem Rang zu führen. Zum Schutz der Menschen in der Region Bergstraße sieht die Bahn nicht den 11 Kilometer langen „bergmännischen Tunnel“ sondern nur einen einzigen 1,7 Kilometer langen Tunnel vor, um bei Lorsch den Knoten A67/B47 zu unterqueren Hinter Lorsch soll die Trasse aber nicht mehr entlang der Autobahn weitergeführt werden, sondern den Lampertheimer Wald diagonal durchschneiden und über die Vorstädte direkt in den Hauptbahnhof geführt werden. Das Planfeststellungsverfahren für den Abschnitt „Bergstraße“ soll in diesem Jahr beginnen. Eine gesicherte Finanzierung für das Milliarden Euro teure Projekt gibt es noch nicht. Klagen gegen die Planungen der Bahn dürften weitere Zeitverzögerungen zur Folge haben.
Auf der geplanten ICE-Trasse sollen täglich 112 Zugpaare (das sind 224 Züge) auf dieser als unausweichlich notwendig bezeichneten Trasse fahren sollen. Bis zu 50 Güterzüge werden vor allem nachts verkehren. Dass alle ICE und Güterzüge nach dem Aus für den ursprünglich von der Bahn geforderten „Bypass“ (Umfahrung) den Hauptbahnhof Mannheim passieren sollen, wird den Anwohnern der Mannheimer Vorstädte noch manchen Kummer bereiten. Gleiches gilt für Darmstadt.
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